Faymann ist für Facebook zu uncool

Seit einem Monat ist Werner Faymann offiziell Facebook-User. Die viel kritisierte Web2.0 Kampagne des Bundeskanzlers hat die Steuerzahler bisher 99.000 Euro gekostet. Verlorenes Geld, denn der Webauftritt war von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Für die meisten Facebook-User ist Werner Faymann einfach zu uncool.

Mit fast 106.000 „Gefällt mir“ hat FPÖ Klubobmann Heinz-Christian Strache die erfolgreichste Facebook-Seite der heimischen Politiker. Er verbreitet auf seiner Fanpage nicht nur politische Informationen, sondern teilt auch Musikvideos und private Fotos mit seinen Facebook-Freunden. HC beim Bungee-Jumpen, HC beim Romurlaub, HC beim Schifahren in Osttirol – die Facebook-Nutzer können sich ein Bild von der Person hinter dem Politiker machen. Seine Fans scheinen das cool zu finden.

Auch auf der Facebook-Seite von Werner Faymann wird versucht, mit wenigen privaten Fotos vom Schifahren, Klettern und Bergsteigen zu punkten. Immerhin eine positive Abwechslung zum sonst eher langweiligen Politikerprofil. Anders als bei seinem Kontrahenten wirken Faymanns Bilder jedoch peinlich inszeniert. Das Team, das sich um den Webauftritt des Bundeskanzlers kümmert, versucht gar nicht erst, diesen authentisch darzustellen. Während viele Bilder Straches so aussehen, als wären sie mit einer Handykamera fotografiert worden, liest man unter Faymanns Bildern die Namen bekannter Fotografen. Der coole Facebook-Faymann wirkt dadurch wie ein billiger PR-Gag.

Laut Digital Affairs ist mehr als die Hälfte der österreichischen Facebook-Nutzer jünger als 30. Damit tummelt sich auf der Plattform genau jene Generation, die mit Politik generell wenig am Hut hat. Eine aktuelle IMAS-Studie bestätigt, dass sich nur 12% der unter 30-Jährigen für Innenpolitik interessieren. 41%  haben hingegen angegeben, dass sie sich gar nicht “gedanklich mit Innenpolitik beschäftigen”. Bei dieser Generation kann man nicht mit einer klassischen,  politischen Kampagne, die nichts als langweilige PR-Meldungen verbreitet, punkten. Auf Facebook zählen Sympathie und Persönlichkeit. Wer das nicht vorweisen kann, braucht auch kein Geld in seinen Social Media-Auftritt investieren.

~ von Katharina Sunk - 26. November 2011.

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